Autor Thema: Meerforellen `18 oder "mal eben im Februar zur Küste und einen 75er rausholen!"  (Gelesen 581 mal)

Offline Uli

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Moin Männers!
Gutes Beispiel für einen Aufmacher, der Emotionen weckt, die Leute ins Thema bringt, und dabei auch noch zu 100 % der Wahrheit entspricht.
Das ist schon selten heutzutage!
Basti hat´s gemacht! Nur vorne weg: leider war es keine 75 cm Mefo, sondern nur ein 75 mm Stichling.
Der arme Kerl hatte sich wahrscheinlich an einer kleinen Eisscholle die Birne gestoßen und lag da jetzt etwas hilf- und orientierungslos am Strand. Reanimation zwecklos, Möwenfutter!
Aber nun der Reihe nach.
Trotz der widrigen Aussichten und des tagelangen Dauerfrosts in OH haben wir es uns nicht nehmen lassen, der Ostsee am WE einen Besuch abzustatten.
Start nachts um halb zwei in Dortmund, die Haare liegen perfekt!
Gut durchgekommen, Basti gab ordentlich Gas, kamen wir bei schlappen 7 Grad (i.W. sieben) unter dem Gefrierpunkt in Neustadt an.
Unsere neue Lieblingsbäckereifachverkäuferin versorgte uns mit dem Nötigsten: Kaffee, Brötchen und freche Sprüche zum Wachwerden. Da war es so ca. 6 h.
Gut soweit...Brotzeit, Morgentoilette, ein letzter Spruch unserer jungen Dame und danach auf Richtung Wasser.
Es war mittlerweile deutlich wärmer geworden. Das sah man auch daran, dass die Streufahrzeuge von 35 g/m² auf 30g/m² reduziert hatten. Minus 6 also, ab in die Watbüx, es wird schon hell!
Kurze Zwischenfrage: Was hilft am besten gegen Kälte?
« Letzte Änderung: 21. Februar 2018, 20:45:02 von Uli »
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Offline Uli

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Es half ja nichts...gestärkt und gewärmt machten wir uns auf ans Wasser.
Der Neustädter Hafen war mit einer dünnen Eisschicht überzogen. Wir hofften auf bewegteres Wasser vorm Klinikum und auf nachströmendes Tiefenwasser. Und was soll ich sagen? Schiete wars. Kennt ihr Slush? Diese bunten Eisgetränke, so sah es aus.
Nicht so bunt, aber die Konsistenz passt.
« Letzte Änderung: 21. Februar 2018, 20:46:06 von Uli »
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Offline Uli

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Neustadt Badeanstalt (so kam ich mir auch vor, wie einer aus der Anstalt) war definitiv nix zu holen außer Scholle, also Eisscholle!
Aber die Buhnenköpfe vorm Klinikum wurden zunehmend freier, und somit stieg auch unser Begeisterungslevel.
Man konnte tatsächlich fischen und so machten wir Meter um Meter.
Wir blieben aber ohne Kontakt, nette Joggerinnen und alte Omas mal ausgenommen.
Temperaturen waren gut auszuhalten. Es ging praktisch kein Wind. Es war ok. Nach zwei Stunden dann aber zurück zum Auto.
Jetzt wirklich Kaffee und zweites Frühstück. Kalorien müssen rein, der Körper muss hart arbeiten, um warm zu bleiben.
Bastis wahnsinnigem Grinsen nach zu urteilen, macht es ihm auf jeden Fall Spaß!
« Letzte Änderung: 21. Februar 2018, 20:46:55 von Uli »
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Offline steelehead

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Hauptsache der Kaffee war lecker! Fisch gibt's ja auch bei der Nordsee...  8)

Offline Uli

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Schwarzer Kaffee,Junge...weisste...das ist das beste! Dunkelschwarz und kochend heiss!
Klar sicher! Schmecken tuts uns immer gut. Nur übertreiben sollte man nicht. Kaffee treibt ja auch. Und bei der Kälte immer wieder ans Ufer zum Pullern, das macht keinen Spaß! ::)

Wir haben dann, als wir Neustadt Badeanstalt und Klinikum durch hatten, den Spot gewechselt und haben rüber gemacht: zum Yachthafen.
Hotspot dort soll der Einlauf des Blauen Abels sein. Wasn das fürn Schweinskram dachten wir nur...
Egal. Drüben angekommen und endlich am Wasser (es ist schon etwas Strecke) waren wir in einer Flachwasserzone mit eher dunklem, zum Teil leicht schlammigen Grund. Soweit so gut. Eine leicht kräuselige Oberflächenstruktur und Strömung vom Süßwassereinlauf in unsere Richtung. Wir waren guter Dinge.
Am eigentlichen Hotspot standen 4 Blechangler 20 Meter weit im Wasser und donnerten ihre Köder Richtung Horizont.
Basti und ich versuchten konzentriert denn ganzen Bereich bis zu Ihnen abzufischen.Würfe längs zum Ufer und direkt Richtung Ufer eingeschlossen. Gerne hätte ich den Blechfuzzis eine Mefo präsentiert, die dicht unter Land gebissen hat. Aber so sehr wir es uns auch wünschten, auch an dieser Stelle blieben wir ohne Kontakt. Die Blechfuzzis aber auch, nur wir hatten mehr Spaß!
Wir überholten und fischten Richtung Sierksdorf. Nix.
Abends hatten wir uns in Bates Motel 501 in Bliesdorf eingemietet. Der abendliche Burger war ingesamt sehr schmackhaft und der Pitcher Dortmunder Hövels brachte uns die nötige Bettschwere, ok...zugegeben in Verbindung mit dem Rest des Highland Park.
Gut, dass ich mir Wasser ans Bett gestellt hatte... ;)
« Letzte Änderung: 14. März 2018, 22:13:22 von Uli »
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Offline Sebastian

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Re: Meerforellen `18 oder "
« Antwort #5 am: 21. Februar 2018, 19:00:22 »
Mensch Uli,

ich war ja tatsächlich auch dabei! Dachte ich hätte das alles nur geträumt.
Ich muss dazu sagen, dass ich die Eisschollen am Anfang nicht ganz so wahrgenommen habe. Meine Wahrnehmung kurz nach dem Aufwachen scheint an der Ostsee immer etwas getrübt zu sein. Ich knotete eine sehr kleine Garnele an, die ich vorher noch nicht gefischt hab. Häh? Warum geht die nicht unter? Intermediate Schusskopf! Na gut. Also eine altbekannte Garnele ans Band gebunden. Als auch die nicht unter ging habe ich erst gemerkt, dass es die feinen Eisschollen waren, die meinen Köder über Wasser hielten.
Irgendwann wurde es ja dann auch wärmer und fischbar (siehe oben).....

Offline Sebastian

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Re: Meerforellen `18 oder "mal eben im Februa
« Antwort #6 am: 21. Februar 2018, 19:06:50 »
Dafür haben aber folgende Punkte frühmorgens wunderbar funktioniert, was keine Selbstverständlichkeit ist:

- ich habe nicht nach einer imaginären dritten Person Ausschau gehalten!
- die Schnur war durch alle Rutenringe gezogen
- und nicht nur die Schnur, ich hatte auch tatsächlich daran gedacht, den Schusskopf anzuknüpfen
- das sometime-wounding-the other way-massacre war diesmal auch nicht vorhanden

Es lief also...

Offline Uli

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Irgendwie muss nachts ein Zombie durchs Zimmer gelaufen sein. Ich fühlte mich morgens jedenfalls wie die Zweitbesetzung vom Dschungelcamp. Muss am Wasser gelegen haben. Das lasse ich das nächste Mal weg!
Ein kräftiges Frühstück mit frisch gebrautem Leckerkaffee später, sah die Welt aber schon wieder besser aus.
Schneller als meine Schwiegermutter "Weissenhäuser Strand" sagen kann, waren auch schon bald alle Klamotten wieder im Auto verstaut und wir machten uns auf den Weg zum geheimsten aller Geheimstrände. Vor Ort angekommen konnten wir es kaum glauben: wir waren die Ersten!
Die gute Nachricht, es war wärmer als gestern. Die schlechte: es schneite. Eines muss man denen hier lassen, Wetter können sie!
Wenn für die Schotten ihr Regen ja bekanntlich liquid sunshine ist, was ist dann Schnee für die Ostholsteiner? Vorschläge hierzu werden gerne angenommen.
Dank Mareike waren wir aber bis ins Detail gut ausgerüstet. Frieren muss hier keiner.
Aber vom Rumstehen fangen sich keine Fische, also los.
« Letzte Änderung: 21. Februar 2018, 21:05:08 von Uli »
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Offline Günni

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Ihr seit ja echt harte Jungs! Respekt!  :)
"Viele Stunden meines Lebens wartete ich auf den Fisch vergebens!"

Offline Uli

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Moin Günni!
Geht so...eigentlich wollten wir ja zelten! 8)
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Offline Uli

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Sooo...letzter Teil meines Berichts über unseren frostigen Kurztrip nach Ost-Holsteinien.
Wir haben dann versucht, zügig durchzufischen. Die Windverhältnisse waren durchaus etwas schwierig, weil wechselhaft. Summa summarum war es es aber fischbar. Wir blieben leider ohne Kontakt (weder Fisch noch Joggerin). Allen mittlerweile anderen anwesenden Fischern ging es aber ebenso, zumindest was die Fische angeht. Rest kann ich nicht beurteilen.
Zum Mittag war es dann erstmal Zeit für etwas Warmes, wir machten uns eine Suppe und packten noch ein paar kapitale Bockwürstchen mit dazu. Das weckt die Lebensgeister und bringt Power auf die Wurfhand.
Am Boden der Suppenschüssel angekommen, haben wir dann einen zweiten Durchgang gestartet. Wir knoteten die Erfolgsfliegen vom Vortag an. Wieder mit dem selben Erfolg. Prima, das klappt schon ganz gut.
Riffspitze, erste Rinne, Sandflächen, Einlaufbereich des Grabens...nix...reicht!...Platzwechsel.
Mittlerweile war das Wetter auch besser geworden, was auch nicht verkehrt war, denn irgendwann merkt man die Feuchtigkeit dann eben doch.
Schnell ein paar frische Sachen übergezogen und dann verlegt nach Heiligenhafen-Steilküste.
Eine geheime Geheimstelle mit tiefer Rinne dicht unter Land, wo wir ein letztes Mal an diesem Wochenende unser anscheinend nicht vorhandenes Glück versuchen wollten.
Was soll ich sagen? Top Stelle, super Bedingungen, nur kein Fisch.
Zeit für einen letzten Leckerkaffee in der Ausführung "Hallo wach weil Heimfahrt!" und einen letzten Snack. Wie konnte das passieren? Es waren echt noch Frankfurter übrig!
Heimfahrt war gut. Basti gab wieder Gas, und schon war das Wochenende auch wieder Geschichte.
Gerne hätte ich von feisten Überspringern berichtet, leider keinen gefangen, also eigentlich auch nix zu erzählen. Und doch war es schön.

Persönliches Fazit:

- gerne wieder, Suchtfaktor 10 von 10, auch im Winter
- meine neue Watjacke macht das Fischen deutlich angenehmer
- Schnurgewichte reduziert, wirft sich deutlich besser bei meinem persönlichen Stil. Allein das war schon eine Erkenntnis
- Merino-Unterziehwäsche ist top. Während man in Kunstfaser nach 2 Tagen riecht wie toter Friseur, ist in Wolle einfach alles bestens. Kein Müffeln und angenehm warm und temperaturausgleichend. Auch mein neuer Wollpulli von Feddersen in HH hat gute Dienste geleistet.
- Ordnung im Auto ist immer noch ein Fremdwort
- Single Malt im Winter ist rausgeschmissen Geld, weil aufgrund der Kälte der Geschmack leidet. Hat aber Stil!
- MefoAngeln im Winter ist sicher kein Ponyschlecken, gefroren haben wir aber zu keiner Zeit
- wir haben gut Strecke gemacht, und neue Stellen entdeckt
- Fliegenfischer untereinander haben i.d.R. immer ein paar nette Worte für einander, während Blechfuzzies die Zähne nicht auseinander bekommen

Grüße an alle!
Uli


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Offline Günni

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Moin Uli, vielen Dank für Deinen tollen, humorvoll geschriebenen Bericht vom Meerforellenfischen im Winter. Du könntest wirklich ein Buch darüber schreiben  :).
Da ich ein Warmduscher bin, wäre das Winterangeln aber nix für Günni (brrrrrr.....).
Herzlichst
Das Weichei!
"Viele Stunden meines Lebens wartete ich auf den Fisch vergebens!"

Offline Uli

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Moin Günni!
Danke für die Blumen! War doch nur mal eben auf die Schnelle...
Du weisst ja am besten, wie das ist mit dieser Virusinfektion! ;)
Zum Thema Warmduscher: wettertechnisch hatten wir einerseits echt Glück, weil es wirklich gut auszuhalten war, und andererseits waren wir eben auch gut vorbereitet. Schlimmer ist es, wenn man im April hochfährt, und sich irgendwie krass verschätzt.
Und ob ich im Januar/Februar bei 3 bis 4 Grad Wassertemp in der Ostsee stehe, oder im März/April bei 4 bis 8 ist jetzt auch kein Riesenunterschied. Wenn man denn vorbereitet ist...!
Und obenrum sich dick einzupacken ist ja kein Problem. Ich hatte sogar eine Sturmhaube aus Seide und einen "Kragen" vom Motorradfahren dabei. Der ist aus GoreTex und schliesst winddicht ab. Zusammen mit Mütze, Kaputze und zur Not Sturmhaube ist man echt warm eingepackt.
Schwachpunkt wir immer die Füße: Woolpower 400 und Bundeswehrsocken aus Wolle! Und nicht zu eng, dann geht der Schuss nach hinten los.
Wolle kann ja bekanntlich viel Wasser aufnehmen und wärm selbst im nassen Zustand. In der Isolation liegen Welten zwischen Baumwolle und Wolle! Die Kombi macht´s!
Liebe Grüße und bis bald am Wasser!
Uli
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Offline Sebastian

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« Antwort #13 am: 06. März 2018, 19:36:52 »
Wolle hats drauf!

Ich habe mir Wollsocken stricken lassen. Eine undichte Wathose bescherte mir bei unserem Trip Wasser in meinem Watstiefel. Was soll ich sagen. Ich habe trotz Wasser keinen kalten Fuß gehabt!!!