Autor Thema: Der Clouser Minnow...  (Gelesen 1006 mal)

Offline Martin_S

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Der Clouser Minnow...
« am: 02. Juni 2015, 12:52:38 »
...ist angeknotet. Ich habe ganz schön gezittert, hoffentlich hält das. Ob dieses Hotelzimmer schonmal eine 8er Rute gesehen hat, denke ich während ich zusammenbaue. Die Vorfachspitze ist ungefähr 0,35 mm stark, das müsste reichen, oder? Gestern von der Brücke sahen die ganz schön groß aus, sollte man da überhaupt ohne Frühstück...? Egal, ich ziehe jetzt meine Sandalen an, nehme die Polbrille mit und los geht's.
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Offline Günni

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Re: Der Clouser Minnow...
« Antwort #1 am: 02. Juni 2015, 14:07:48 »
Viel Spaß und Erfolg, Martin!
LG Günni
"Viele Stunden meines Lebens wartete ich auf den Fisch vergebens!"

Offline Martin_S

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Re: Der Clouser Minnow...
« Antwort #2 am: 02. Juni 2015, 14:34:44 »
Ich schleiche mich also raus aus dem Hotel, um kurz vor sieben ist hier noch keiner wach. Zwei Meter hinter dem kleinen Poolbereich beginnt schon der Strand, eine Durchfahrt zwischen zwei Inseln haben wir hier, vielleicht 200 Meter breit. Mich zieht es nach links, dort unter der großen Brücke standen sie gestern, mal sehen wie man da hin kommt.
Bereits am Hotelstrand sehe ich im (ich denke mal) knietiefen Wasser zwei Fische, sind es Bonies? Die würden den Clouser wohl nicht wollen. Unweit von mir springen Brutfische aus dem Wasser. Eigentlich wollte ich nicht hier am Hotelstrand, der Wind es ganz schön kräftig, die Schnur ist noch trocken, das könnte schwierig sein. Ist es auch. Ich habe keinen Schnurkorb mit (muss mal einen größeren Koffer kaufen), daher liegt immer viel Leerschnur auf dem Wasser. Nach einigen Würfen (wer jetzt nicht lachend auf dem Balkon steht, schläft noch) ziehe ich weiter. Eine der nächsten Buhnen muss ich umwaten, an Land finde ich kein Durchkommen. Bis zum Saum meiner Shorts muss ich ins Wasser, als ich wieder in flacheres Wasser komme wird mir kalt, das Wasser ist so früh noch wärmer als die Luft. Neben mir stürzt sich ein Pelikan ins Wasser, Brutfische gibt es auf jeden Fall genug.

Während ich schreibe muss ich mich anders hinsetzen, mir tropft Schweiß auf die Tastatur.

Langsam komme ich dem von mir favorisierten Bereich näher. Auch die Bucht davor scheint irgendwie zu gehen, aber ich will erstmal weiter. Über eine Spundwand, auf der oben ein breiter Streifen Beton den Abschluss bildet, gehe ich weiter meinem Ziel entgegen. Unterhalb im nur knietiefen Wasser, liegt ein kleiner Stachelrochen, vielleicht so groß wie ein Essteller, deshalb also soll man hier nur mit Sandalen ins Wasser gehen. Ich bewege mich weiter. Reste eines alten Steges sind im Wasser, das wird schonmal interessant, dahinter beginnt ungefähr da, wo ich mir es vorgestellt habe Leopardengrund. Den immer noch kräftigen Wind berücksichtigend verlasse ich die Spundwand und wate erstmal direkt daran entlang, um windaufwärts eine gute Wurfposition zu erreichen. Hier geht es auch schon besser mit dem Werfen, nur die Schnur auf dem Wasser stört, aber das lässt sich nun nicht ändern.

Ich mache Wurf um Wurf und arbeite die Stelle ab. Ein riesiger Fischreiher schaut mir zu, er kriegt seine Beute. Irgendwann ist der Spot abgearbeitet, nix war, also nochmal in die Bucht davor. Ich stehe wieder knietief im Wasser, der Sand unter mir ist strahlend weiß. Dadurch denkt man immer, man könne weit einwaten, aber das wird hier nix. Ein Schwarm Brutfische umschwimmt meine Beine, erst ein paar Sekunden, dann noch länger, schließlich mache ich mehrere Würfe, während derer der gleiche Schwarm an mir vorbei zieht und einfach nicht aufhört.

Auch hier wird es nichts. Ich beschließe, langsam den Rückweg anzutreten. Ich habe keine Uhr dabei, gleich muss ich zur Konferenz, ich will die anderen nicht warten lassen. In der Bucht vor dem Nachbarhotel, gleich muss ich wieder die Buhne umwaten, denke ich dass die vielen dunklen Steine auf dem Grund sich ein guter Platz für Fische wären. Die drei Steine, die ganz langsam an mir vorbei schwimmen, machen mich stutzig. Also doch noch ein paar Würfe. Ich überwerfe die Fische leider, was die zum Glück nicht interessiert. Ich kann sie noch ein paar Mal anwerfen, leider ist ihnen meine Fliege auch egal. Beim Waten flüchtet ein weiterer kleiner Stachelrochen vor mir. Ich ziehe langsam weiter. Neben der Buhne sind ganz viele Steine, allerdings sind viele davon auch Stachelrochen, bei ungefähr jedem dritten Schritt flüchten welche vor mir.
An unserem Hotel angekommen hole ich mir in der Lobby erstmal einen Kaffee. Auf dem Zimmer spüle ich die Rute ab, unterwegs denke ich an die zwei Garnelenfliegen in meiner Box, vielleicht morgen damit?
Egal, schön war's. Jetzt schreibe ich erstmal schnell den Zwischenbericht für die Kollegen aus dem Forum auf, dabei trinke ich meinen Kaffee aus, und danach mache ich mich arbeitsfertig.

Morgen früh habe ich auch noch eine Stunde Zeit, vielleicht eineinhalb...
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Offline hörnchen68

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Re: Der Clouser Minnow...
« Antwort #3 am: 02. Juni 2015, 18:12:37 »
Hallo Martin,
das hast Du mit sehr viel Angagement geschrieben!Schade,das die fischereiliche Ausbeute
den Beitrag nicht unterstützt.Gruss hörnchen68
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Offline Nordtegn

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Re: Der Clouser Minnow...
« Antwort #4 am: 02. Juni 2015, 18:20:54 »
Hallo Martin,

... ich freue mich schon auf die Fortsetzung. Das wird spannend. Viel Spaß und Erfolg bei beiden Dingen.

Grüße,

Rainer
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Offline Uli

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Re: Der Clouser Minnow...
« Antwort #5 am: 02. Juni 2015, 19:50:45 »
Sehr geil! Bin voll im Fischfieber!
Daumen hoch und liebe Grüße nach Florida (?)
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Offline Martin_S

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Re: Der Clouser Minnow...
« Antwort #6 am: 03. Juni 2015, 14:18:19 »
Der Morgen beginnt wie der gestrige, es dämmert langsam draußen, noch ist es aber zu dunkel um raus zu gehen. Ich ziehe wieder die volle Montur an (T-Shirt, Shorts, Sandalen), tausche den Clouser gegen ein Shrimp-Muster (neongrüne Fühler, oranger Schaumrücken, lila Dubbing, das was hier als natürlich gilt) und mache mich auf den Weg. Der erste Schritt ins Wasser lässt mich etwas erschrecken. Die 85°F von gestern sind das nicht, eher etwas weniger. Also an jeder Stelle nur kurz rein, ein paar Würfe machen und wieder raus. So arbeite ich mich vor, bis ich wieder zur Watbuhne komme. Dort macht erst einmal eine kleine Formation Stachelrochen den Abflug vor mir, das sieht wirklich so aus, wie sie da ordentlich gestaffelt verschwinden. Ich gehe wieder über die Spundwand in Richtung Brücke. Über sandigem Grund kann ich zwei Fische ausmachen, vermutlich Snook so um die 60-70 cm. Leider kann ich von der Spundwand aus die Fische nicht anwerfen, runter komme ich auch nicht, also weiter. Diesmal gehe ich unter der Brücke durch, dahin wo die Durchfahrt im Backwater endet. Wie ich es mir erhofft habe ist hier ziemliche Strömung, ich bin fast versucht im wet-fly-swing zu fischen. Platz habe ich hier ohne Ende, wenn ich könnte wären auch 40-Meter-Würfe kein Thema. Insgesamt bin ich überrascht, die Schnur ist nicht zu weich, wie manche Gerätehersteller behaupten. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass ich vor Sonnenaufgang unterwegs bin.
Langsam arbeite ich mich zurück, kein Biss bisher, aber diesmal nimmt ein kleiner Adlerrochen vor mir Reißaus. Unter der Brücke fische ich wieder die verdächtige Stelle ab. Plötzlich gibt es einen Ruck in der Schnur, aber nur kurz. War das ein Biss? Ich werfe die Stelle nochmal an. So langsam läuft es richtig gut, ich habe mich an die 8er Rute gewöhnt, 25 Meter sind entspannt möglich, da ich die Leerschnur jetzt immer von mir weg in möglichst großen Klängen aufs Wasser werfe. So präsentiere ich die Garnele mehrmals an der Stelle, doch es passiert nichts mehr. Langsam wird mir kalt, und ich muss noch den Tag vorbereiten, also geht es zurück.
Auf der Spundwand, man ahnt es schon, sehe ich wieder die beiden Snook. Fast zwei Meter Abstand zur Wasseroberfläche würden eine Landung verhindern, ich müsste in hundert Metern runter und wiedere zurück, dafür bleibt mir jetzt keine Zeit mehr. Ich sehe auch keine anderen großen Fische mehr auf dem Weg zurück zum Hotel, das wars also.
Wie auch immer, die Xi2 hat zum ersten Mal ihr angestammtes Habitat, die Ostküste vom Golf von Mexiko gesehen, es hat ihr gut gefallen. Im nächsten Jahr ist in der ersten Juniwoche wieder die Coal Conference in Clearwater Beach angekündigt, und ich plane schon fest einen Beitrag, wäre vielleicht "Fly fishing and coalc combustion" gut?

Schöne Grüße

Martin
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Offline Günni

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Re: Der Clouser Minnow...
« Antwort #7 am: 03. Juni 2015, 14:43:33 »
Hallo Martin,
danke für Deine spannenden Berichte! Schade das kein Fisch anbiss  >:(.
Liebe Grüße aus Old Germany
Günni
"Viele Stunden meines Lebens wartete ich auf den Fisch vergebens!"

Offline Martin_S

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Re: Der Clouser Minnow...
« Antwort #8 am: 13. Juni 2017, 14:05:01 »
Hallo Martin,

... ich freue mich schon auf die Fortsetzung. Das wird spannend. Viel Spaß und Erfolg bei beiden Dingen.

Grüße,

Rainer

So, Freunde der Morgensonne, dann will ich mal wieder was dazu schreiben. Seit vorgestern weile ich wieder in Clearwater Beach, Florida. Gestern morgen war ich noch nicht in Fischlaune, aber heute habe ich vor der Arbeit bei aufgehender Sonne noch ein paar Würfe gemacht. Gut, es war diesmal kein Clouser Minnow, eher eine selbst kreierte Fischchenfliege. Ich war um halb sieben am Wasser, mit Polbrille auf der Nase ist es um diese Zeit in südlichen Breiten noch stockdunkel. Gestern morgen hatte ich direkt vor dem Hotel einen großen Schwarm Snook gesehen, und nachmittags beim Gang über die Brücke, die die Hauptinsel von Clearwater mit dem Sand Key verbindet, doch tatsächlich einen jagenden Tarpon. Das hat meine Vorfreude auf heute morgen schon etwas erhöht. Ich bin also los, und wusste, mir bleiben nur sechzig Minuten. Ich habe mich von unserem Hotel (Holiday Inn Suites) in Richtung der Brücke bewegt, leider kein Erfolg. Irgendwann dachte ich, dass es Zeit für den Heimweg sei, und während ich an einer der kleinen Buhnen, die hier die Hotelstrände separieren, vorbeiging, spritzen am Buhnenkopf ein paar Fischchen aus dem Wasser. Mit leicht gestiegener Motivation, und die war wirklich nicht sehr groß in dem Moment, servierte ich nochmal meine Fliege. Beim dritten Wurf hat es dann tatsächlich gerumst. Der Widerstand an der 8er Rute war ungefähr mittel, der Fisch gut zu halten. Nach vielleicht zwei Minuten konnte ich den Fisch per Handlandung vom Haken befreien und zurücksetzen. Ihr glaubt es nicht, aber ich habe tatsächlich eine Sea Trout gefangen. Zwar ist die biologisch nicht mit unserer Meerforelle verwandt, heißt aber so und sieht so ähnlich aus.
So, ich gehe jetzt mal arbeiten. Ob ich morgen früh nochmal ein Stündchen ans Wasser gehe muss ich noch überlegen, momentan fühlt es sich so an als wäre die Aufgabe erledigt.
Viele Grüße aus Clearwater,
Martin
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